Nicht nur in Südtirol: Wie geht es weiter mit dem Tagungs- und Kongresstourismus?

Rückblende: Im vergangenen Jahr entstand meine Masterarbeit zum Tagungs- und Kongresstourismus im Alpenraum mit einer Untersuchung zur entsprechenden Situation in und möglichen Perspektiven für Bayern, Tirol und Südtirol. Gerade der Einfluss der Digitalisierung auf sowie die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken für die MICE-Branche wurden darin untersucht und ausgewertet.

Was dabei und angesichts der damals guten Verfassung der meeting industry möglicherweise noch hypothetisch klang, muss nun mit großem Ernst (und bisweilen unter Zeitdruck) auch in kleineren, vormals stark vom Urlaubstourismus geprägten Destinationen Einzug halten.

Zunächst zurück in die Gegenwart: Am 14. April 2020 findet ein (diesmal virtueller) “Global Meeting Industry Day” unter dem Motto meetings mean business statt. Er will dem Konferenz- und Veranstaltungsmarkt Sichtbarkeit geben – wichtiger denn je!

“… a lucrative but at the same time a risky tourism area to operate in …”

Doch das wird natürlich nicht genügen, um die meeting industry nach der derzeitigen Corona-Krise in Fahrt zu bringen. Sie war bis zum Februar 2020 über Jahrzehnte hinweg ein überaus erfolgreicher und gewichtiger, wenn auch gerne unterschätzter Teil des Tourismus.

Ein Beispiel: Allein die unter dem Dach der International Congress and Convention Association (ICCA) versammelten (Wirtschafts-, Regierungs- und Nicht-Regierungs-)Organisationen verdoppelten die Zahl der von ihnen durchgeführten Veranstaltungen alle zehn Jahre – Tagungen, Kongresse oder Incentives privater Unternehmen noch gar nicht eingerechnet.

Kleine Destination, großes Potenzial

Ebenso seit langem steht ein weiterer Trend fest: MICE-Veranstaltungen werden hinsichtlich ihrer Teilnehmerzahl kleiner, finden jedoch häufiger statt. Kleinere Destinationen rücken somit als “Bühne”, als Veranstaltungsort ins Blickfeld – möglicherweise aber auch vollständig digitale Tagungslösungen, die die physische Präsenz der Teilnehmenden überflüssig machen, mit allen negativen wirtschaftlichen Folgen für Destinationen und ihre Tourismustreibenden.

Alles auf null: Tourismus nach der Krise – quo vadis?

In welche Richtung entwickelt sich also der touristische Markt? Zu welchen Konditionen? Und natürlich auch: Woher kommt der Tourismus, sobald eine allmähliche Entspannung der derzeitigen Situation absehbar sein wird? Wer sind die ersten Gäste, die wieder in ein Hotel einchecken und Dienstleistungen vor Ort in Anspruch nehmen werden?

Welche Richtung sollte dann das digitale Management und Marketing einer Destination einschlagen? Und über all dem stehen Kenngrößen, die sich im Nachgang der Pandemie dramatisch verschieben können bzw. werden, z.B. die direkte, indirekte und induzierte Wertschöpfung durch den Tagungs- und Kongresstourismus für Tourismustreibende wie -verbände.

Die kommenden Wochen werden also sicher spannend und herausfordernd für alle Destinationen im Alpenraum. Fest steht heute schon eines: Der (eventgetriebene Massen-)Tourismus der vergangenen Jahre, wie er in den vergangenen Jahren in so mancher Südtiroler Destination ausgiebig betrieben wurde, ist fürs Erste sicher “von gestern”!

Andererseits dürften Unternehmen die ersten sein, die den Tourismus durch Geschäftsreisen – und eben kleineren, kreativen MICE-Aktivitäten – ankurbeln. Gut, wer in diese Richtung schon heute mit den richtigen Partnern vorbaut!

Damit wird zielgerichtete Beratung für Tourismusverantwortliche und -destinationen zu aktuellen Entwicklungen und zukunftsfähigen Konzeptionen, zu den Chancen und Risiken des Tagungs- und Kongresstourismus wichtiger denn je. Dieser Markt ist massiv in Bewegung und wird es noch lange bleiben. Nur wer jetzt handelt, schafft den Neustart nach Corona.

KulturSüdtirol wirft einen Blick in die “Kulturtourismusstudie 2018”

“… es gibt viel zu tun!” So könnte das Fazit der Kulturtourismusstudie 2018 kurz gefasst lauten. Mehr Vernetzung, mehr Qualifikation, mehr Professionalisierung werden zu Recht angemahnt.

Benjamin Zwack hat für KulturSuedtirol.com einen Blick in die recht umfangreiche Studie geworfen. Trotz mancher kleinerer Widersprüchlichkeiten und begrifflicher Unklarheiten in der Endfassung der Studie werden wichtige und beachtenswerte Ergebnisse benannt. Allen touristischen wie kulturellen Akteuren, auch hier in Südtirol, ist die Lektüre zu empfehlen. Der kulturtouristische Nach- und Aufholbedarf gerade in Südtirol ist nach wie vor erheblich.

Veranstaltungstipp: Im Max Ernst Museum Brühl wird am 7. September ein “KulturTourismusBarcamp” im Rahmen des Innovationsprogramms KulturReiseLand NRW stattfinden. Nähere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf Destinet!

 

IMEX 2018 Frankfurt: “The largest ever IMEX”

Die Kongress- und Tagungsmesse IMEX in Frankfurt läuft – und ist größer denn je. 3.500 Austeller, Teilnehmende aus 150 Ländern, über 250 parallel zur Messe angebotene Fortbildungsveranstaltungen und ein besonderer Fokus auf die Digitalisierung in der MICE-Branche sind die Eckdaten in diesem Jahr.

Benjamin Zwack: “Das Interesse am Tagungsstandort Südtirol ist seit Jahren hoch und steigt weiter. Die IMEX 2018 bietet einzigartige Möglichkeiten, neue Geschäftskontakte zu knüpfen und aktuelle Meeting-Technik hautnah zu erleben.”

Sicherheit, Digitalisierung und Innovation: Die MICE-Branche steht vor großen Veränderungen

Gloria Guevara Manzo, Präsidentin und CEO des World Travel and Tourism Council (WTTC) hielt zum Auftakt der Messe ihre Keynote, in der sie drei fundamentale Herausforderungen der Meeting-Industrie benannte. Neben der Nachhaltigkeit bei Tagungen, Events und Kongressen werden zukünftig vor allem Sicherheitsaspekte sowie das Krisenmanagement  relevant.

Matthias Schultze, Direktor des German Convention Bureau (GCB) unterstrich die Bedeutung der Digitalisierung für Kongresse und Tagungen: “Digital transformation matters!”.

Der Italienstand auf der diesjährigen IMEX ist erneut ein wahrer Hingucker. Was nach wie vor fehlt: Südtirol.

Angekündigt wurde ein erstmals auszuarbeitender “Incentive Travel Industry Index”, um die Marktlage und die Marktperspektiven zukünftig noch genauer analysieren und vorhersagen zu können. Der Index entsteht in Zusammenarbeit zwischen SITE, Financial Insurance Conference Professionals (FICP) und Incentive Research Foundation (IRF). Erste Ergebnisse und Einblicken sollen im Spätsommer vorliegen.

Italien: Ein großer Player in der internationalen MICE-Szene!

Interessante Zahlen und Statistiken gab es am Rande der IMEX vom Verband ICCA: So befindet sich Italien gegenwärtig unter den Top-5-Meetingnationen der Welt. In Italien fanden 2017 mehr große Tagungen und Kongresse statt als beispielsweise in Frankreich, Japan oder China! Tendenziell organisiert Italien dabei viele Kongresse “in der Fläche” und konzentriert solche Veranstaltungen weniger in den großen und sehr großen Meeting-Zentren. Eine große Chance, auch Südtirol als Destination kleiner Tagungen erfolgreich zu positionieren und gleichzeitig an der hohen Nachfrage nach in Italien organisierten Veranstaltungen zu partizipieren.

IMEX 2018: 15. bis 17. Mai 2018

Der Countdown läuft: Mitte Mai startet eine neue Auflage der internationalen Kongressmesse IMEX in Frankfurt.

In diesem Jahr werden über 3.500 Aussteller aus guten 150 Ländern erwartet. Die IMEX selbst bezeichnet sich als “Worldwide exhibition for incentive travel, meetings and events” und versammelt MICE-Profis aus aller Welt für zwei Tage auf dem Frankfurter Messegelände. Darunter in diesem Jahr sicher auch den ein oder anderen Gast aus Südtirol, wo sich in den zurückliegenden Monaten einiges getan hat in Sachen Tagungs- und Kongresstourismus.

Auf der IMEX-Homepage findet sich ein Gesamtverzeichnis aller anwesenden Aussteller mit ausführlichen Kontaktdaten. Die Messe selbst ist für Fachbesucher kostenfrei zugänglich.

Im vergangenen Jahr widmete die Südtiroler Wirtschaftszeitung dem Thema “MICE” einen umfassenden Bericht in ihrer Ausgabe vom 1. Juni 2017. Zu Wort kamen u.a. Pier Paolo Mariotti (Eurac Bozen), Prof. Dr. Harald Pechlaner (Eurac Bozen), Thomas Aichner (IDM Südtirol) und Benjamin Zwack (Hotel Elephant).

Tagungen & Kongresse in Südtirol: Ein wichtiger touristischer Zukunftsmarkt

Die Südtiroler Wirtschaftszeitung greift unter dem Titel “Tagen in Südtirol” in ihrer Ausgabe 22/2017 vom 2. Juni ein Thema auf, das den Südtiroler Tourismus in den kommenden Jahren zunehmend prägen wird. Meetings, Incentives, Congresses und Events – oder kurz MICE – sind heute eine kleine, aber hochinteressante Nische für Hotels und Veranstaltungsorte südlich des Brenners. Ein Eindruck, der im übrigen auch auf der diesjährigen IMEX-Kongressmesse in Frankfurt am Main eindrucksvoll bestätigt wurde.

Nun gilt es, die MICE-Kompetenz in Südtirol professionell zu bündeln und “ein zu Südtirol passendes Tagungs- und Kongressprodukt gemeinsam mit interessierten und vor allem geeigneten Partnern” umzusetzen, so Benjamin Zwack (Hotel Elephant), der neben Thomas Aichner (IDM) und Harald Pechlaner (Eurac) zu Wort kommt.

Den Beitrag der Südtiroler Wirtschaftszeitung finden Sie online (SWZ 22/17 – “Tagen in Südtirol”).

IMEX Frankfurt: Mein Messe-Rückblick

Die Kongressmesse IMEX bringt einmal jährlich die MICE-Branche nach Frankfurt. Und die kam zur 15. Ausgabe besonders zahlreich: Neben einer Reihe interessanter digitaler Meeting-Innovationen gab es ein ansprechendes Seminarprogramm, das in diesem Jahr unter dem Leitthema “Purposeful Meetings” stand.

Das Workshop- und Kongressprogramm hat definitiv überzeugt, v.a. in seiner Breite und dank des dadurch möglichen direkten Kontakts zu Branchenexperten und Wissenschaftlern.

Besonders eindrucksvoll war in diesem Jahr jedoch die schiere Größe des Teilnehmerfeldes und die hervorragende Präsentation der Destinationen an den einzelnen Ständen. Bei allen Gesprächen war deutlich zu spüren: Es ist viel Bewegung im MICE-Markt, Digitalisierung und Vernetzung werden in Zukunft neue Geschäftsfelder eröffnen und auch kleineren Destinationen und Kongressanbietern hochprofessionelle Werkzeuge für erfolgreiche Tagungen und Events an die Hand geben.

Und dass der Kongresstourismus immer mobiler und internationaler wird, ist eine Tatsache, die ich seit Jahren beobachte. So kommen auch kleinere Destinationen wie Südtirol in den Fokus, die nicht nur durch hochwertige Kongress-Infrastrukturen, sondern auch durch das Rahmenprogramm, die besondere Kulinarik und ein einmaliges Naturerlebnis punkten können – “purposeful meetings” eben!

Jetzt ist Südtirol an der Reihe, dieses Thema gemeinsam aufzugreifen und schnell zu anderen Destinationen und Kongressmärkten aufzuschließen. Entscheidend wird in Zukunft ein eigenes, unverwechselbares Südtiroler Meeting- und Kongressprodukt sein. Das Interesse daran ist hoch, die Chancen für Südtirol sind noch viel größer. Der Ball liegt jetzt bei uns!

IMEX 2016 Frankfurt im Rückblick

Auch in diesem Jahr traf sich die MICE-Branche vom 19. bis 21. April 2016 in Halle 8 der Messe Frankfurt. Über 3.500 ausstellende Tourismusverbände und -organisationen, Hotelketten, Fluggesellschaften und MICE-Agenturen trafen auf ca. 15.000 Fachbesucher aus aller Welt. 65.000 Fachgespräche direkt auf den Ständen der Aussteller wurden bereits im Vorfeld vereinbart, begleitet wurde die Messe von ca. 300 Journalisten aus 38 Ländern.

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So äußerte sich IMEX-Chairman Ray Bloom erwartungsgemäß ausgesprochen positiv über die diesjährigen Aktivitäten in Sachen Meetings und Events in Halle 8 der Messe Frankfurt gegenüber meetingsnet.com und erwähnte dabei vor allem

  • “the 42 new booths at IMEX this year (among them: Guatemala, Aruba, Romania, and Sardinia),
  • increased demand from hosted buyers,
  • and the fact that one-fifth of previous exhibitors increased the size of their booths.”

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So hätte diese gelungene und professionell organisierte Messe gerade aus Sicht der Südtiroler Hotellerie und seitens der dortigen Tourismusvereinigungen deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient – der große Imex-Italienstand zeigt, was in Sachen Kongress- und Eventtourismus strukturell möglich ist.

IMEX 2015 Frankfurt – worldwide exhibition for incentive travel, meetings and events

Und wieder Frankfurt: Nach dem kürzlich vom Hessischen Rundfunk organisierten “Tag des Online-Journalismus” ging es im Mai erneut nach Frankfurt. Ziel diesmal: Die IMEX15, eine der internationalen Messen für die Meeting-, Event- und Kongressorganisation.

 

Überzeugen konnte die Messe bereits allein anhand der Teilnehmerzahlen: 4.000 sogenannte “hosted buyers”, 4.700 Besucher, 3.500 ausstellende Unternehmen der MICE-Industrie, geschätzte 65.000 Business-Kontakte – zwischen Teilnehmenden aus etwa 150 Ländern (ein IMEX-Factsheet fasst all das noch einmal übersichtlich zusammen).

Beeindruckend war vor allem die Präsentation der verschiedenen Kongressdestinationen – von Rhuanda über Chemnitz bis Uppsala… Unverständlich, dass sich Südtirol oder vor allem so manche Südtiroler Stadt diese Messe schlicht entgehen ließ, während insgesamt 246 italienische Destinationen und Kongress-Unternehmen den Weg an den Main gefunden hatten (u.a Friuli-Venezia-Giulia, Alternative Sicily, Convention Bureau Riviera di Rimini oder Eventing Milan).

Eine Erwähnung verdient haben auch die unzähligen Veranstaltungen und Seminare im Umfeld der Messe, die der persönlichen wie geschäftlichen Weiterbildung sehr zuträglich waren.

Bleibt also zu hoffen, dass sich in den kommenden Jahren mehr Südtirolerinnen und Südtiroler nach Frankfurt aufmachen und dem Thema Kongresse & Events zusätzliche Beachtung schenken, gerade seitens der Tourismusorganisationen vor Ort. Denn in Sachen Südtirol sollte nach wie vor das schöne geflügelte Wort gelten: “More than apples and cows!”

Frankfurter Tag des Online-Journalismus 2015: “Facts tell, stories sell”

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Frankfurt am Main hieß das Ziel in Sachen Online-Journalismus vor wenigen Tagen: Bereits zum elften Mal luden der Hessische Rundfunk (HR) zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihrem Medienbeauftragten sowie evangelisch.de und EPD Medien zu einem eintägigen Kongress, um aktuelle Trends und Themen des Online-Journalismus zu diskutieren – in diesem Jahr vornehmlich im Spannungsfeld zwischen “Häppchen-Journalismus” und großem “Storytelling”, wobei selbstredend immer wieder die Frage nach der Monetarisierung digitaler Inhalte gestellt wurde.

Im Folgenden einige persönliche Eindrücke und Schlussfolgerungen, natürlich auch aus dem touristischen Blickwinkel. Und gleich vorweg: Die Rednerliste hat überzeugt! Von den echten Onlinern wie Milou Klein Lankhorst (De Correspondent aus den Niederlanden) bis zu Friedrich Küpperbusch hatte der HR eine mehr als eindrucksvolle Expertenrunde zusammengestellt.

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Allen voran: Richard Gutjahr, der in seiner Keynote “Make it snackable” schnell auf den Punkt kam: “Das Zeitalter der großen Geschichten ist vorbei”, online ist ein gänzlich anderer Ansatz nötig: Klein und handlich soll das Format sein – und es darf vor allem nicht aus Mittelmaß bestehen: “Sei der Erste oder der Beste”. Anschaulich illustrierte er das mit den aktuellen Entwicklungen bei der Washington Post, die massiv in Technik und Programmierer investiert und dafür gegenwärtig mit +63% bei den page impressions belohnt wird. Ob sein radikal anmutender Ansatz “Make it snackable” wirklich Bestand hat (schließlich boomen die langen Storytelling-Strecken, siehe unten), wird sich zeigen. Überzeugend war sein kompromisslos auf Qualität (Auffindbarkeit, Relevanz, Konfektionierung des journalistischen Materials) zielender Ansatz aber allemal. Auf Richard Gutjahrs Internetseite ist seine Keynote jedenfalls noch einmal im Volltext abrufbar.

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Ebenfalls ein Highlight waren die Informationen von Milou Klein Lankhorst, Herausgeberin des niederländischen Online-Formats “De Correspondent”. Sie machte deutlich: Auch online lassen sich Projekte stemmen (Stichwort: Crowdfunding) und vor allem finanzieren. Dafür legte sie beeindruckende Zahlen vor: Ca. 33.000 zahlende Mitglieder ermöglichen De Correspondent heute, 24 Vollzeit-Journalisten arbeiten für diese Plattform. Aber: Die Leser und Abonnenten machen mit, sie sind weit mehr als nur Konsumenten, sie teilen, liken, sharen und werden in Beiträge aktiv einbezogen. Oder in Lankhorsts Worten: “33.000 members know more than 30 journalists. We do only exist by our members.”

 

Außerdem gab es aus erster Hand Informationen über das Online-Storytelling-Tool Pageflow. Die Macher Stephan Domke und David Ohrndorf boten einen kompakten Überblick und es blieb sogar Zeit, das System selbst zu testen – all das übrigens eine open source Initiative einiger öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Bereits erstellte Pageflow-Reportagen (responsive, also lauffähig vom Smartphone über Tablet bis zum PC!) auf der Basis dieses Systems sind jedenfalls ansprechend. Barbara Hans von Spiegel Online merkte aus ihrer praktischen Arbeit zurecht an: “Eigentlich ist der Aufwand immer zu groß. Storytelling braucht Idealismus.” Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Der Bayerische Rundfunk hat ein eigenes Storytelling-Produkt entwickeln lassen. Linius funktioniert als Plugin für WordPress, nähere Informationen hierzu finden sich auf der Entwickler-Webseite.

Schlussendlich bleibt also die Erkenntnis, dass zwischen “snackable” à la Gutjahr und den üppigen multimedialen Story- und Scrollytelling-Formaten viel Raum für guten, also hochwertigen und ansehnlichen, Online-Journalismus bleibt. Und der darf gerne umfangreicher sein als nur kleine social-media-Häppchen (Stephan Lamby von dbate auf die Frage, welche Geschichte auf seiner Plattform am erfolgreichsten war: “Ein sechsstündiges Interview mit Helmut Kohl, ungeschnitten.”).

Essentiell für die Onlinearbeit in der Tourismuskommunikation ist ohne Frage das qualitätsgeleitete Arbeiten und natürlich auch Plattformen wie Pageflow, die das Storytelling zum Beispiel in Südtirol “für den Hausgebrauch” einzelnen Hotels oder Tourismusverbänden ermöglichen könnten. Kurzum: Work in progress oder eben Experimentierfreude bleiben gefragt angesichts vieler noch nicht ausgetretener Pfade im Internetjournalismus, aber bitte mit Leidenschaft und einem steten Blick auf den “Like”-Button.

Update: Auf einer Seite hat der Hessische Rundfunk die Kongresseindrücke noch einmal zusammengefasst und verweist dort auch auf meinen Tagungsbericht. Sie finden die ftoj15-Eindrücke online auf der HR-Homepage!