Das war der 4. Evangelische Medienkongress Hamburg 2016

Nein, es war kein Barcamp. Und nein, es war auch kein Digitalkongress, der die Chancen und Möglichkeiten des digitalen Journalismus bzw. der sozialen Netzwerke unkritisch feierte. Ganz im Gegenteil: Es war eine sehr ernste und in vielen Teilen auch nachdenklich machende Veranstaltung, der 4. Evangelische Medienkongress, den EKD, GEP und NDR in Hamburg am 12. und 13. Oktober organisierten. Einige Schlaglichter seien herausgehoben:

So berichtete die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit und ihren Konsequenzen aus beleidigenden Hasskommentaren im Netz. Ulrike Demmer, die stellvertretende Regierungssprecherin, fügte Einschätzungen aus der täglichen Regierungsarbeit und deren politischen Kommunikation bei. Prof. Dr. Christian Schertz – Rechtsanwalt für Medienrecht – erläuterte die allgemeinen juristischen Möglichkeiten und Grenzen im Verlauf der Podiumsdiskussion „Meinungsfreiheit oder Verrohung“. So gut die Inputs waren, so wenig echte Diskussion kam leider zustande.

Durchaus kontroverser ging es am zweiten Tag zu, als auf dem Podium über die „Lügenpresse“ bzw. die Deutungshoheit in den Medien debattiert wurde. Mit Kai Gniffke, Georg Mascolo, Stefan Niggemeier und Thomas Schiller waren durchaus gestandene Journalisten präsent. Journalistinnen fehlten leider bei dieser wichtigen Diskussion, so dass ausschließlich Männer ausgerechnet über die journalistische Deutungshoheit diskutierten. Schade! Inhaltlich gab es jedoch sehr gute, erhellende und auch selbstkritische Aussagen zu notierten: Ja, die Medien müssen mit (handwerklichen, sprich journalistischen) Fehlern transparenter und offener umgehen. Und ja, die Zeit, als man sich als Gatekeeper am sprichwörtlichen „Strom der Nachrichten“ fühlen durfte, die ist definitiv und unwiderbringlich vorbei. Für so manchen Journalisten und Publizisten sicherlich eine schmerzliche Erfahrung…

Workshop Benjamin Zwack Medienkongress

… worauf auch Richard Gutjahr eindringlich hinwies. Denn: „Das Internet ist nicht gut oder schlecht. Es ist einfach da!“ Jetzt heißt es, Wege, Möglichkeiten und Strategien zu finden, mit diesem Medium umzugehen. Sein Workshop zum „nächsten Trend“, zum next big thing, den er zusammen mit Tilo Barz vom Hessischen Rundfunk bestritt, hob sich indes erfreulich positiv von der teils sehr technologiekritischen Grundstimmung der Podiumsdiskussionen ab. Gut so! Denn er machte Mut, neue Kanäle der Kommunikation auszuprobieren.

Den Organisatorinnen und Organisatoren des Kongresses gebührt abschließend ein großes Lob. Kompetente Referentinnen und Referenten sorgten für viele Denkanstöße und neue Facetten des ansonsten bereits sehr durchdigitalisierten, eigenen Alltags. Ich komme gerne wieder, wenn der Medienkongress erneut über die Bühne geht.

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