Frankfurter Tag des Online-Journalismus 2017

„Wahr ist, was gefällt? – Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise“, so der Titel des diesjährigen Frankfurter Tag des Online-Journalismus, der am 25. April beim Hessischen Rundfunk stattfand. HR-Intendant Manfred Krupp hakte gleich zu Beginn nach – befinde sich der Journalismus wirklich auf breiter Front in der Glaubwürdigkeitskrise? Persönlich habe ich daran meine begründeten Zweifel.

Doch der Reihe nach:

Diemut Roether von epd Medien hatte einen glänzenden Vortrag mit nach Frankfurt gebracht. So ruhig sie ihn auch vortrug, ihre Thesen trafen: Ihrer Meinung nach greife eine  „Boulevardisierung der Nachrichten“ um sich: „Gefühle wirken sofort und haben keine Wahrheitspflicht.“ Demgegenüber koste die so notwendige Faktenrecherche Zeit, Geld und (wo-)manpower. Und die immer kompliziertere Weltlage passe eben nicht immer in einen 140-Zeichen-Tweet. Wie wahr!

Sozialpsychologin Catarina Katzer fasste im Anschluss die „Psychologie der digitalen Lüge“ noch einmal zusammen. Die Entfernung aus der Realität, beispielsweise bereits durch das Öffnen einer App oder das Gruppengefühl und -denken in sozialen Netzwerken können Individuen in erheblicher Weise verändern, ja enthemmen.

Die folgende Diskussion zwischen SWR-Chefreporter Thomas Leif und Herausgeber Roland Tichy blieb leider sehr farblos. Es mag am Moderator Dennis Horn – der sonst jedoch sehr pointiert durch den Tag führte – gelegen haben, vielleicht aber auch an der unklaren thematischen Zuspitzung dieses Tagungsblocks. Im Blick auf Thomas Leifs Redebeiträge sollte jedoch festgehalten werden: Die Öffentlich-Rechtlichen Sender in Deutschland haben in den vergangenen Jahren erhebliche Schritte hin zur Digitalisierung ihres Angebots unternommen. Podcasts, Mediatheken und Apps (oder die Kombination daraus, wie die neue Bayern2App beweist!) funktionieren hervorragend und bringen auch vermeintliche Nischenthemen leicht abrufbar jederzeit zum Hörer oder Zuseher.

Ein großes Highlight bildete nach der Mittagspause ein Blick hinter die Kulissen eines kleinen Medienhauses: Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier berichtete aus erster Hand über seine Social-Media-Arbeit im Zusammenhang mit der Berichterstattung über ein größeres Flüchtlingsheim auf der Schwäbischen Alb.

Ihm zur Seite saß die SWR-Journalistin Sandra Müller, die ein flammendes Plädoyer für den regionalen Journalismus hielt.

Der Faktenfinder von tagesschau.de und das Projekt correctiv.org – und damit zwei sehr konkrete und hochinnovative Ansätze – waren schließlich ebenso Thema wie eine Keynote von Craig Silverman („Strategies for Reporting on the Misinformation Ecosystem“).

Der Frankfurter Tag des Online-Journalismus war erneut ein wertvolles Podium zur Information und zum Meinungsaustausch. Beeindruckend waren nicht nur die vielen hochengagierten Journalistinnen und Journalisten, sondern vor allem auch die zahllosen guten Ideen und Ansätze, um Qualitätsjournalismus auch in Zukunft und unter digitalen Vorzeichen betreiben und attraktiv machen zu können. Ein großes Lob an alle Beteiligten für die hervorragende Organisation.