Aktuelles

Das war das Jahr 2017: Mein Jahresrückblick

Aus is und gar is, und schad is, dass’s wahr is.“  (frei nach Franz Münchinger)

Das war also das Jahr 2017. Es liegt in den letzten und allerletzten Zügen. Grund genug, einen persönlichen Jahresrückblick  zusammenzustellen.

  • Januar 2017: Paul Flora im Ferdinandeum Innsbruck

Vorsicht, Kunst! Zum Jahresbeginn zeigte das Innsbrucker Museum eine unglaublich große und vor allem dichte Sammlung von Werken – Zeichnungen, Skizzen, Gedankensplitter und nicht zuletzt seine ZEIT-Beiträge – des Südtirolers Paul Flora in bester Atelieratmosphäre. Bescheiden war Flora ganz offensichtlich: „Wenn Arbeit adelt, bleibe ich lieber bürgerlich“…

  • Von Evangelischen und Katholischen (und das im Jahr des Reformationsjubiläums!)

Lange und (zumindest in Bayern) kalte Winter zogen mich auch 2017 im späten Januar in so manches Café, zum Auftauen, Lesen und – natürlich – Leute beobachten. Am Nachbartisch hatte es sich eines Nachmittags ein bekannter bayerischer Theaterintendant mit einem Journalisten gemütlich gemacht. Seitdem weiss ich, Evangelische und Katholische lachen unterschiedlich: „Wissen’s, im Endeffekt kann ich evangelische und katholische Lacher im Publikum unterscheiden. Die einen lachen mit dem Kopf – und die anderen mit dem Bauch.

  • Die FAZ versucht sich an einem coffee table Magazin

Es war Februar 2017, als ich mir das relativ neu erschienene FAZ Quarterly näher angesehen habe. Um es kurz zu machen: Mehr als ein Heft fand nicht den Weg auf meinen Schreib- oder Wohnzimmertisch. Schade, das Heft hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. V.a. die englischsprachige Konkurrenz macht vieles besser und wirkt aktueller, näher am Zeitgeist.

  • Fastenzeit: Von Anfang März bis Mitte April ohne privater social media

… Ergebnis: Herrlich :-)! Seit dem sind die social media-Pausen häufiger und länger geworden und die Nutzung hat einen neuen Zuschnitt bekommen. Zur Nachahmung empfohlen!

  • Frühling in Frankfurt. Oder: Der „Tag des Onlinejournalismus“ beim Hessischen Rundfunk

Im März stand endlich und nach einem Jahr Pause wieder einmal der Hessische Rundfunk mit seinem Tag des Onlinejournalismus auf dem Programm. Eine Tagung, die ich bereits 2015 sehr bereichernd empfunden hatte. 2017 widmete sie sich der Glaubwürdigkeitskrise im Journalismus.

Ein großes Highlight war sicher der Workshop mit Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier mit seinen anschaulichen, engagierten Schilderungen aus dem Redaktionsalltag einer Lokalzeitung. Danke, Michael für diese Einblicke und die von Dir geleistete Arbeit!

  • Ein Blick / Einblicke ins Dokk1: Sommer in Dänemark

Aarhus, 2017 europäische Kulturhauptstadt, hat mit dem Dokk1, einem kombiniertem Bürgerzentrum, Bibliothek, Lernort und Architekturhighlight am Hafen, vieles sehr richtig gemacht. Bei meinem Besuch war förmlich zu spüren, wie durchdacht dieses Gebäude auf seine Nutzerinnen und Nutzer entwickelt wurde. Auch hier gilt: Zur Nachahmung andernorts sehr empfohlen.

  • Peter Sloterdijk in Toblach: Ein hochsommerliches Gipfeltreffen?

Ja, der Münchner Theologie Friedrich Wilhelm Graf hatte nicht ganz unrecht, als er vor einigen Monaten feststellte, Sloterdijk drohe manchesmal „im Wust seiner unterhaltsamen Assoziationen oft den roten Faden zu verlieren“ (FAZ, 26.07.2017). Dennoch: Es war ein kurzweiliger Nachmittag im Spiegelsaal des Grandhotel Toblach, ein philosophischer Streifzug von großer Breite.

  • Einmal Oberpfalz – und zurück? Auf „Heimatbesuch“ im Herbst.

Ja, die Oberpfalz hat sich erheblich verändert. Im September habe ich mir nach langem einmal wieder bewusst einige Tage Zeit genommen, die Veränderungen wahrzunehmen. Ein wirkliches interessantes Experiment! Was geblieben ist: Die Oberpfalz ist ein wunderbar unaufgeregter Landstrich. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt.

  • Fakten gefällig? Der Reuters Digital News Report

Es ist so eine Sache mit der Performance von Social Media: „Gehyped“ ist schnell etwas, vornehmlich von denjenigen, die davon wirtschaftlich gut leben. Umso wichtiger sind fundierte, europaweit belastbare Zahlen zur Nutzung von Social-Media-Kanälen und deren Vertrauenswürdigkeit. Der Reuters Digital News Report liefert eine Menge interessanter Zusammenhänge. Leseempfehlung!

  • Mehr Kongress- und Tagungstourismus in Südtirol: Die IMEX 2017

Die Kongressmesse IMEX bringt einmal jährlich die MICE-Branche nach Frankfurt. Und die kam zur 15. Ausgabe besonders zahlreich: Neben einer Reihe interessanter digitaler Meeting-Innovationen gab es ein ansprechendes Seminarprogramm, das in diesem Jahr unter dem Leitthema „Purposeful Meetings“ stand. Begleitend dazu gab es einen ausführlichen Beitrag in der Südtiroler Wirtschaftszeitung.

Jetzt ist Südtirol an der Reihe, schnell zu anderen Destinationen und Kongressmärkten aufzuschließen. Entscheidend wird in Zukunft ein eigenes, unverwechselbares Südtiroler Meeting- und Kongressprodukt sein. Umso erfreulicher, dass erste Unternehmer bereits an einer erfolgversprechenden Strategie arbeiten. 2018 wird aus diesem Blickwinkel ein äußerst spannendes Jahr!

In diesem Sinn: Danke für die Zusammenarbeit 2017. Auf ein gutes 2018!

 

Grüße zum Jahresausklang 2017

Allen Freunden und Bekannten wünsche ich zum Jahresausklang 2017 ein frohes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und ein gutes neues Jahr 2018.

Zugleich danke ich allen für die gute Zusammenarbeit, konstruktiv wie kritisch, sowie für die vielen wichtigen persönlichen Begegnungen.

Hinter uns liegt ein so arbeitsreiches wie erfolgreiches Jahr für den Südtiroler Tourismus, das einmal mehr mit Nachdruck bewiesen hat, dass das weitere Engagement im Kultur- und Kongresstourismus hier in Südtirol auch 2018 ein Thema größter Bedeutung bleiben wird.

Viele wichtige Grundlagen konnten in den zurückliegenden Monaten gefestigt, bestehende Netzwerke intensiviert und weitere Kontakte geknüpft werden.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen im neuen Jahr!

Ihr Benjamin Zwack

Tyler Brûlé feiert Geburtstag…

… und Michalis Pantelouris von uebermedien.de hat ihm einen in der Tat bedenkenswerten Beitrag gewidmet. Worum geht es gleich nochmal beim Monocle Magazine?

5 Fakten aus dem Reuters Institute Digital News Report 2017

Kein Blick in die Glaskugel, sondern Zahlen und Fakten auf genau 136 Seiten. Das ist der Digital News Report 2017 des Reuters Institute, das an der Fakultät für Politik und Internationale Beziehungen der Universität Oxford angesiedelt ist.

Agenturen sind schnell zur Stelle, den vermeintlich letzten Schrei an Apps und Kommunikationskanälen zu hypen und ihren Kunden als das neue digitale Geschäftsmodell anzuempfehlen.

Gleichzeitig geistern fake news durch den digitalen Äther, und nicht wenige Medienhäuser büßen Reichweite und Umsatz ein oder sehen sich gezwungen, zum beliebigen Gemischtwarenladen zu werden, bei dem der Journalismus ein Nebenprodukt wird oder vom vielen product placement regelrecht überholt wird.

Grund genug, einen Blick auf die belastbareren Fakten zu werfen: Was interessiert Internetnutzer wirklich? Wohin geht die Reise bei digitalen Gadgets, Apps und Nachrichtenkonsum? Der Digital News Report analysiert genau das, sortiert nach Ländern und Kontinenten.

Fünf Ergebnisse und Einsichten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen:

  1. Social Media wächst nicht mehr. Oder genauer: Nicht mehr überall und längst nicht mehr so stark, wie noch vor wenigen Jahren. Zugleich zeigen die Nutzerzahlen bei den Messaging-Apps steil nach oben. Mögliche Gründe könnten weitreichende Folgen auch für die Unternehmenswerbung in sozialen Netzwerken haben: Deren Nutzerzahlen gehen möglicherweise zurück, weil wieder mehr Privatsphäre gesucht wird und / oder man Algorithmen zunehmend misstraut.
  2. TV, Radio und Print ist King, wenn es um Nachrichten geht. Deren Reichweite schlägt Online-Nachrichtenseiten um Längen. Zugleich feiern Nachrichtenapps ein Comeback in beinahe allen untersuchten Ländern, während der Videokonsum hinter dem zurückbleibt, was landläufig an Performance herbeigeredet wird.
  3. Soziale Netzwerke vernebeln die Markenwahrnehmung, wenn es um Nachrichteninhalte geht (Stichwort: „Quelle: Internet“). Nur gut ein Drittel (bei Suchergebnissen) bzw. knapp die Hälfte (im social web) der Nutzer konnten den Absender einer Nachrichtenmeldung klar wiedergeben.
  4. Adblocker sind vor allem ein „europäisches“ Phänomen, ihr Einsatz steht aber auch in Verbindung mit dem Nutzeralter und der verfügbaren Bandbreite.
  5. Große Unterschiede zwischen den verschiedenen sozialen Netzwerken bei der Nachrichtenwahrnehmung: Twitter erscheint demnach in der Nutzermeinung als das untauglichste (!) Netzwerk für Nachrichteninhalte (nur 6% der Befragten hielten es für „a useful source of news“), während sich Facebook besonders durch die zufällige Nachrichtenwahrnehmung  (26%) auszeichnet – ein zweifelhafter Erfolg.

Der vollständige Digital News Report steht online als PDF sowie in verschiedenen digitalen Aufbereitungen (Videos, interaktive Karten, Präsentationen) zum Download bereit.

Foto: StockSnap.io (CC0)

 

Ferdinand Hodler im Leopold Museum Wien

Noch bis 22. Januar 2018 zeigt das Leopold Museum im Wiener Museumsquartier eine umfassende, 300 Werke starke Retrospektive des vermutlich bekanntesten Schweizer Malers des 19. Jahrhunderts unter dem Titel „Ferdinand Hodler – Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele“. Zahlreiche persönliche Unterlagen des Malers runden diese Schau ab.

Sein Schaffen vereint Symbolismus und Jugendstil, er gilt als Wegbereiter des Expressionismus und inspirierte dabei zahlreiche Maler der Wiener Moderne. Zugleich flossen persönliche Schicksale in sein Werk ein, was den Künstler Hodler in besonderer Weise nahbar, menschlich werden lässt.

Die Schau ist mehr als sehenswert, das lichtdurchflutete Leopold Museum bieten einen hervorragenden Ort, das umfangreiche Schaffen eines Künstler wahrzunehmen.

Das Leopold Museum Wien ist täglich außer Dienstag von 10 Uhr bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr geöffnet.

Einmal Oberpfalz – und zurück!?

Neulich habe ich ein interessantes Experiment unternommen: Wie ist es, wenn man seine alte Heimat wieder einmal bewusst wahrnimmt und Veränderungen nachvollzieht? Der folgende Beitrag beschreibt meine letzte Oberpfalzreise in Schlaglichtern…

Einmal Oberpfalz – und zurück!?

Ich gebe zu: Für meine zurückliegende Reise in die Oberpfalz habe ich mich etwas mehr vorbereitet, als ich das sonst tue. Normalerweise genügt ein halbwegs gefüllter Tank oder ein Zugticket und die knapp vierhundert Kilometer zwischen Brixen in Südtirol – wo ich seit vielen Jahren lebe und arbeite – und der Oberpfalz können kommen.

Diesmal sollte es gleich eine Urlaubswoche sein, zwischen Donau und Naab. Und dazu ein Kopf voller Fragen: Wie ist das, wenn man seine alte Heimat wieder einmal ganz bewusst wahrnimmt? Wenn man die Augen offen hält für Veränderungen und man Vergleiche zieht, zwischen der alten Heimat Oberpfalz und der neuen Heimat Südtirol? Kurzum: Wenn die Spitzen des Regensburger Doms eben nicht einfach so im Augenwinkel vorbeirauschen, bevor man in den Pfaffensteiner Tunnel eintaucht?

Die Oberpfalz vor fast 20 Jahren und heute

Fast auf den Tag genau vor 17 Jahren haben mich zunächst mein Studium, später dann berufliche Stationen in München, Wiesbaden und eben dem italienischen Brixen aus der Oberpfalz hinausgeführt. Heute bin ich Gast in Ostbayern, und staune schon beim Verlassen der Autobahn: In Regensburg wurde und wird gebaut! Wenn neue Gebäude und Firmengelände ein Indikator für wirtschaftlichen Aufschwung sind, dann ist er in der Oberpfalz fraglos angekommen. Und die Stadt klingt bei einem ersten Spaziergang so international, wie ich sie noch nie erlebt habe: Schon mittags im Biergarten des Klosters Weltenburg italienische Besucher, die sich unter dem Klang der Maßkrüge eine Schweinshaxe schmecken lassen und dabei vorurteilsfrei alle Raffinessen der leichten mediterranen Küche vergessen: „Che pesante, ma molto buono…“ Herrlich!

Regensburg, die Partnerstadt Brixens

Auf der Steinernen Brücke, am Domplatz und im Hotel waren dann amerikanische Gäste tonangebend, deren breite Aussprache interessanterweise eine geradezu harmonische Symbiose mit dem diphtonglastigen „ou“ der einheimischen Oberpfälzer eingeht. Seit meine letzten Gehversuche im oberpfälzischen Dialekt mit einem barschen „Du bist oba niad vo dou!“ quittiert worden waren, begnüge ich mich mit der Erkenntnis, dass wahre Oberpfälzer zum einen ungemein herzlich sein können, zum anderen aber eigentlich eh nur reden, wenn sie dies für dringend erachten… So halte ich es für den Rest meines Oberpfalz-Urlaubs auch.

„S’mou geij“ sagt ein Oberpfälzer und schweigt wieder

Und Schweigen war keine schlechte Idee: Ob der Landschaft (Roadtrip durch Südschweden? Nehmt eine Oberpfälzer Landstraße!), ob der vielen kulturellen Highlights, die sich in den letzten Jahren in beeindruckender Weise herausgeputzt haben (Kallmünz, Amberg und vor allem Nabburg mit seiner „Venedig“), ob der tollen Sterneküche, die in der Oberpfalz entstanden ist oder ob der sportlichen Möglichkeiten: Ich bilde mir ein, noch immer Sand in meinen Schuhen von einem spontanen „Bergabenteuer“ auf dem Monte Kaolino im Sommer zu spüren… Und die Zeitung und viele Internetportale sind voll von Stellenangeboten, von jeder Menge Hightech ist da zu lesen, fernab von teuren, übervollen Großstädten. Das gab es vor 20 Jahren in dieser Form sicher nicht!

Die Tage in der Oberpfalz sind vorüber, „staad“ ist es bei der Rückreise von der alten in die neue Heimat. Wie ist sie denn nun, die Oberpfalz? Oder besser: Habe ich etwas vermisst?

Jein. Erzählt noch lauter, welche Lebensqualität Ostbayern zu bieten hat. Aber realistisch. Ohne Instagram-Hipsterfilter. Dafür mit Menschen, die dort schon lange leben und Außergewöhnliches leisten. Erzählt, wie gut man dort leben und arbeiten kann – aber auch, welche Einschränkungen es gibt, Stichworte: öffentlicher Nahverkehr, Erreichbarkeit, Kulturangebote. Und helft mit, dass sich Leute wie ich, die die Oberpfalz vor Jahren zwar verlassen, aber nie völlig aus den Augen verloren haben, miteinander leicht vernetzen können. Solche „Expats“ nennen sich hier in Südtirol ganz programmatisch „Südsterne“ und sind dank App und Online-Portal bestens verbunden, sind Multiplikatoren für ihre alte Heimat – und kommen (in welcher Form auch immer) gerne wieder zurück nach Hause. So wie ich in die Oberpfalz.

Nachtrag: Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte kürzlich einen lesenswerten Beitrag der Philosophin Carolin Emcke (SZ am Wochenende, Kolumne „Heimat“) zum Begriff Heimat und seiner rhetorischen Formierung. Sie schließt ihre Einschätzung mit einer wichtigen Erkenntnis: „Zuletzt ist Heimat womöglich wirklich nur das, wovon man ausgeht, das, womit sich beginnen, aber nicht enden lässt.“

Peter Sloterdijk und Manfred Osten in Toblach

Ein philosphisches Gipfeltreffen war es nicht, der nachmittägliche Diskurs Manfred Ostens und Peter Sloterdijks im Grandhotel Toblach brachte aber dennoch einige interessante Erkenntnisse zu Tage.

Doch zunächst ein Rückblick: Erst kürzlich attestierte der Münchner Systematiker Prof. Friedrich Wilhelm Graf via „Frankfurter Allgemeinen“ dem Karlsruher Philosophen, dass in Sachen Theologie-, Christentums- und Reformationskritik „die theologischen Aufklärer des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts ungleich prägnanter, begriffsschärfer“ formulierten, als Sloterdijk, der „im Wust seiner unterhaltsamen Assoziationen oft den roten Faden zu verlieren droht“ (FAZ vom 26. Juli 2017).

Man kann Graf nur zustimmen, ein ganz ähnliches Bild ergab sich denn auch in Toblach: Peter Sloterdijk referierte – über weite Strecken im Plauderton – kenntnisreich, Manfred Osten wagte jedoch keinerlei kritische Rückfragen. Man streifte thematisch den „klimatischen Sozialismus“ und die „pyromanische Kultur“ der vergangenen Jahrhunderte, problematisierte den schwierigen Übergang in die Solarkultur, warf Fragen nach einem postfossilen Zeitalter auf – und relativierte die derzeit virulente Feinstaubdebatte mit dem Hinweis, dass es täglich ohnehin 2,5 Milliarden offene Feuerstellen weltweit gäbe. Dass damit weder dem Welt-Klima im Allgemeinen, noch den Bewohnern Stuttgarts exemplarisch gedient ist, sollte sich von selbst verstehen, widersprochen wurde den beiden seitens des Publikums jedoch nicht.

Ein weiterer thematischer Block waren die Migrationsbewegungen im frühen 21. Jahrhundert, sie stellten nach Sloterdijk das Genossenschaftsprinzip unserer Sozialstaaten in Frage und imitierten letztlich die medial in alle Welt verbreiteten Mobilitätsideen der westlichen Welt. Leider blieb offen, welche praktischen und humanitären Konsequenzen aus diesen doch sehr zugespitzten, bisweilen holzschnittartigen Ausführungen erwachsen könnten. Widerspruch ernteten die beiden Philosophen seitens des Publikums erneut nicht.

Im Schlussteil war Manfred Osten um Konkretion bemüht, er erkundigte sich bei Sloterdijk nach den Implikationen eines wortwörtlichen oder gar fundamentalistischen Schriftverständnisses im Islam, was letzterer zunächst lediglich mit einem Verweis auf das lutherische sola scriptura zu beantworten wusste – und damit vermutlich einer nicht unerheblichen Fehldeutung dieser reformatorischen Maxime erlag. Widerspruch seitens des etwa 100-köpfigen Publikums war auch an dieser Stelle nicht vernehmbar.

So endete nach eineinhalb Stunden ein durchaus interessanter philosophischer Nachmittag, der große – manchmal schlicht zu große – philosophiegeschichtliche Bögen gezogen hatte und der an vielen Stellen eine Vertiefung und Einordnung vertragen hätte. Aber dazu könnte es ja zukünftig noch einmal Gelegenheit geben, das Grandhotel Toblach und die dortigen Organisatoren haben jedenfalls einen hervorragenden Raum für derartige Projekte geschaffen.

 

 

Lesenswert: „Diözesanmuseum Hofburg Brixen“ (Schnell & Steiner Verlag)

In der Schnell & Steiner-Reihe „Führer durch die Sammlungen“ erschien 2016 der Band „Diözesanmuseum Hofburg Brixen“ von Johann Kronbichler: Ein mehr als lesenswertes kompaktes Buch, das auf knapp 130 Seiten die Geschichte des Hauses, des Diözesanmuseums sowie seiner Sammlung anschaulich erläutert – nicht zuletzt den Brixner Domschatz mit seiner wertvollen Adlerkasel sowie den mittelalterlichen Figuren und Tafelbildern. Ein eigenes Kapitel ist den dauerhaft im Erdgeschoss der Hofburg ausgestellten Krippen gewidmet.

Johann Kronbichler, Direktor der Hofburg Brixen, gelingt es hervorragend,  eines der bedeutendsten kirchlichen Museen im Alpenraum verständlich, sachkundig und umfassend zu beschreiben. Das im Schnell & Steiner-Verlag erschienene Buch kostet ca. 13 Euro und ist beispielsweise direkt in der Hofburg Brixen erhältlich.

Dokk1 Aarhus

„Liberaries are spaces for people, not just books.“

Treffender könnte man das Motto und Leitmotiv des Dokk1 in Aarhus (Dänemark) vermutlich nicht umschreiben. Das Architektenkollektiv „schmidt hammer lassen architects“ steht hinter der modernen Gestalt des Gebäudes, das selbst wiederum Teil des im Entstehen befindlichen Stadtprojekts Urban Media Space Aarhus ist. Die Stadtentwicklung ist mit dem Dokk1 also noch lange nicht an ihrem Ende angelangt!

Der Blick schweift aus dem Dokk1-Inneren über Bibliotheksregale und den weitläufigen Freiflächen über den Hafen hinaus bis zu den vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiffen.

Bereits die Silhouette des Gebäudes ist imposant. Noch beeindruckender finde ich jedoch die Akzeptanz von Dokk1 bei den Bürgerinnen und Bürgern der dänischen Hafenstadt Aarhus. Eine gigantische öffentliche Bibliothek (ohne Eingangs- und Taschenkontrolle!), Bürgerschalter, Freiflächen für Veranstaltungen und Konzerte sowie Platz zum Spielen, Essen und Trinken wechseln sich ab oder gehen fließend ineinander über. Die Stimmung im Inneren ist skandinavisch entspannt, vieles im Gebäude scheint sich ganz von selbst – beispielsweise durch die Nutzer – zu organisieren. Apropos „ganz von selbst“: Autofahrer dürften sich über eine vollautomatische Parkgarage in den Tiefgeschossen von Dokk1 besonders freuen.

Es versteht sich beinahe von selbst, dass das Dokk1 umweltfreundlich und nachhaltig konstruiert ist. Mehrere tausend Quadratmeter Solarzellen, Seewasser zur Gebäudekühlung und modernste LED-Technik zur Beleuchtung setzen Standards. Aktuell (im Juni 2017) laufen überdies die letzten Arbeiten an einer Stadtbahnhaltestelle im Erdgeschoss des Hauses.

Dokk1 – ein Haus mit Ecken und Kanten. Und wunderbaren Ausblicken.

2016 wurde dem Dokk1 der Titel „Public Library of the Year“ verliehen. Stadtplanern und Politikern kann ein Besuch in Dänemark nur wärmstens empfohlen werden. Mit dem Dokk1 ist ein im wahrsten Sinne des Wortes menschenfreundliches Gebäude entstanden, das Bibliothek, Kultur- und Verwaltungszentrum geschickt vereint. Nachahmung andernorts dringend erwünscht!

Tagungen & Kongresse in Südtirol: Ein wichtiger touristischer Zukunftsmarkt

Die Südtiroler Wirtschaftszeitung greift unter dem Titel „Tagen in Südtirol“ in ihrer Ausgabe 22/2017 vom 2. Juni ein Thema auf, das den Südtiroler Tourismus in den kommenden Jahren zunehmend prägen wird. Meetings, Incentives, Congresses und Events – oder kurz MICE – sind heute eine kleine, aber hochinteressante Nische für Hotels und Veranstaltungsorte südlich des Brenners. Ein Eindruck, der im übrigen auch auf der diesjährigen IMEX-Kongressmesse in Frankfurt am Main eindrucksvoll bestätigt wurde.

Nun gilt es, die MICE-Kompetenz in Südtirol professionell zu bündeln und „ein zu Südtirol passendes Tagungs- und Kongressprodukt gemeinsam mit interessierten und vor allem geeigneten Partnern“ umzusetzen, so Benjamin Zwack (Hotel Elephant), der neben Thomas Aichner (IDM) und Harald Pechlaner (Eurac) zu Wort kommt.

Den Beitrag der Südtiroler Wirtschaftszeitung finden Sie online (SWZ 22/17 – „Tagen in Südtirol“).