5 Fakten aus dem Reuters Institute Digital News Report 2017

Kein Blick in die Glaskugel, sondern Zahlen und Fakten auf genau 136 Seiten. Das ist der Digital News Report 2017 des Reuters Institute, das an der Fakultät für Politik und Internationale Beziehungen der Universität Oxford angesiedelt ist.

Agenturen sind schnell zur Stelle, den vermeintlich letzten Schrei an Apps und Kommunikationskanälen zu hypen und ihren Kunden als das neue digitale Geschäftsmodell anzuempfehlen.

Gleichzeitig geistern fake news durch den digitalen Äther, und nicht wenige Medienhäuser büßen Reichweite und Umsatz ein oder sehen sich gezwungen, zum beliebigen Gemischtwarenladen zu werden, bei dem der Journalismus ein Nebenprodukt wird oder vom vielen product placement regelrecht überholt wird.

Grund genug, einen Blick auf die belastbareren Fakten zu werfen: Was interessiert Internetnutzer wirklich? Wohin geht die Reise bei digitalen Gadgets, Apps und Nachrichtenkonsum? Der Digital News Report analysiert genau das, sortiert nach Ländern und Kontinenten.

Fünf Ergebnisse und Einsichten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen:

  1. Social Media wächst nicht mehr. Oder genauer: Nicht mehr überall und längst nicht mehr so stark, wie noch vor wenigen Jahren. Zugleich zeigen die Nutzerzahlen bei den Messaging-Apps steil nach oben. Mögliche Gründe könnten weitreichende Folgen auch für die Unternehmenswerbung in sozialen Netzwerken haben: Deren Nutzerzahlen gehen möglicherweise zurück, weil wieder mehr Privatsphäre gesucht wird und / oder man Algorithmen zunehmend misstraut.
  2. TV, Radio und Print ist King, wenn es um Nachrichten geht. Deren Reichweite schlägt Online-Nachrichtenseiten um Längen. Zugleich feiern Nachrichtenapps ein Comeback in beinahe allen untersuchten Ländern, während der Videokonsum hinter dem zurückbleibt, was landläufig an Performance herbeigeredet wird.
  3. Soziale Netzwerke vernebeln die Markenwahrnehmung, wenn es um Nachrichteninhalte geht (Stichwort: „Quelle: Internet“). Nur gut ein Drittel (bei Suchergebnissen) bzw. knapp die Hälfte (im social web) der Nutzer konnten den Absender einer Nachrichtenmeldung klar wiedergeben.
  4. Adblocker sind vor allem ein „europäisches“ Phänomen, ihr Einsatz steht aber auch in Verbindung mit dem Nutzeralter und der verfügbaren Bandbreite.
  5. Große Unterschiede zwischen den verschiedenen sozialen Netzwerken bei der Nachrichtenwahrnehmung: Twitter erscheint demnach in der Nutzermeinung als das untauglichste (!) Netzwerk für Nachrichteninhalte (nur 6% der Befragten hielten es für „a useful source of news“), während sich Facebook besonders durch die zufällige Nachrichtenwahrnehmung  (26%) auszeichnet – ein zweifelhafter Erfolg.

Der vollständige Digital News Report steht online als PDF sowie in verschiedenen digitalen Aufbereitungen (Videos, interaktive Karten, Präsentationen) zum Download bereit.

Foto: StockSnap.io (CC0)

 

Ferdinand Hodler im Leopold Museum Wien

Noch bis 22. Januar 2018 zeigt das Leopold Museum im Wiener Museumsquartier eine umfassende, 300 Werke starke Retrospektive des vermutlich bekanntesten Schweizer Malers des 19. Jahrhunderts unter dem Titel „Ferdinand Hodler – Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele“. Zahlreiche persönliche Unterlagen des Malers runden diese Schau ab.

Sein Schaffen vereint Symbolismus und Jugendstil, er gilt als Wegbereiter des Expressionismus und inspirierte dabei zahlreiche Maler der Wiener Moderne. Zugleich flossen persönliche Schicksale in sein Werk ein, was den Künstler Hodler in besonderer Weise nahbar, menschlich werden lässt.

Die Schau ist mehr als sehenswert, das lichtdurchflutete Leopold Museum bieten einen hervorragenden Ort, das umfangreiche Schaffen eines Künstler wahrzunehmen.

Das Leopold Museum Wien ist täglich außer Dienstag von 10 Uhr bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr geöffnet.

Einmal Oberpfalz – und zurück!?

Im Herbst vergangenen Jahres habe ich gemeinsam mit Christoph Aschenbrenner, Geschäftsführer von Oberpfalz Marketing, ein interessantes Experiment unternommen: Wie ist es, wenn man seine alte Heimat wieder einmal bewusst wahrnimmt und Veränderungen nachvollzieht?

Entstanden ist daraus ein Beitrag von Benjamin Zwack für oberpfalz.de, den Sie in voller Länge hier („Eine Reise in die Oberpfalz – Urlaub dahoam“) abrufen können.

 

Nachtrag: Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte kürzlich einen lesenswerten Beitrag der Philosophin Carolin Emcke (SZ am Wochenende, Kolumne „Heimat“) zum Begriff Heimat und seiner rhetorischen Formierung. Sie schließt ihre Einschätzung mit einer wichtigen Erkenntnis: „Zuletzt ist Heimat womöglich wirklich nur das, wovon man ausgeht, das, womit sich beginnen, aber nicht enden lässt.“

Lesenswert: „Diözesanmuseum Hofburg Brixen“ (Schnell & Steiner Verlag)

In der Schnell & Steiner-Reihe „Führer durch die Sammlungen“ erschien 2016 der Band „Diözesanmuseum Hofburg Brixen“ von Johann Kronbichler: Ein mehr als lesenswertes kompaktes Buch, das auf knapp 130 Seiten die Geschichte des Hauses, des Diözesanmuseums sowie seiner Sammlung anschaulich erläutert – nicht zuletzt den Brixner Domschatz mit seiner wertvollen Adlerkasel sowie den mittelalterlichen Figuren und Tafelbildern. Ein eigenes Kapitel ist den dauerhaft im Erdgeschoss der Hofburg ausgestellten Krippen gewidmet.

Johann Kronbichler, Direktor der Hofburg Brixen, gelingt es hervorragend,  eines der bedeutendsten kirchlichen Museen im Alpenraum verständlich, sachkundig und umfassend zu beschreiben. Das im Schnell & Steiner-Verlag erschienene Buch kostet ca. 13 Euro und ist beispielsweise direkt in der Hofburg Brixen erhältlich.

Dokk1 Aarhus

„Liberaries are spaces for people, not just books.“

Treffender könnte man das Motto und Leitmotiv des Dokk1 in Aarhus (Dänemark) vermutlich nicht umschreiben. Das Architektenkollektiv „schmidt hammer lassen architects“ steht hinter der modernen Gestalt des Gebäudes, das selbst wiederum Teil des im Entstehen befindlichen Stadtprojekts Urban Media Space Aarhus ist. Die Stadtentwicklung ist mit dem Dokk1 also noch lange nicht an ihrem Ende angelangt!

Der Blick schweift aus dem Dokk1-Inneren über Bibliotheksregale und den weitläufigen Freiflächen über den Hafen hinaus bis zu den vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiffen.

Bereits die Silhouette des Gebäudes ist imposant. Noch beeindruckender finde ich jedoch die Akzeptanz von Dokk1 bei den Bürgerinnen und Bürgern der dänischen Hafenstadt Aarhus. Eine gigantische öffentliche Bibliothek (ohne Eingangs- und Taschenkontrolle!), Bürgerschalter, Freiflächen für Veranstaltungen und Konzerte sowie Platz zum Spielen, Essen und Trinken wechseln sich ab oder gehen fließend ineinander über. Die Stimmung im Inneren ist skandinavisch entspannt, vieles im Gebäude scheint sich ganz von selbst – beispielsweise durch die Nutzer – zu organisieren. Apropos „ganz von selbst“: Autofahrer dürften sich über eine vollautomatische Parkgarage in den Tiefgeschossen von Dokk1 besonders freuen.

Es versteht sich beinahe von selbst, dass das Dokk1 umweltfreundlich und nachhaltig konstruiert ist. Mehrere tausend Quadratmeter Solarzellen, Seewasser zur Gebäudekühlung und modernste LED-Technik zur Beleuchtung setzen Standards. Aktuell (im Juni 2017) laufen überdies die letzten Arbeiten an einer Stadtbahnhaltestelle im Erdgeschoss des Hauses.

Dokk1 – ein Haus mit Ecken und Kanten. Und wunderbaren Ausblicken.

2016 wurde dem Dokk1 der Titel „Public Library of the Year“ verliehen. Stadtplanern und Politikern kann ein Besuch in Dänemark nur wärmstens empfohlen werden. Mit dem Dokk1 ist ein im wahrsten Sinne des Wortes menschenfreundliches Gebäude entstanden, das Bibliothek, Kultur- und Verwaltungszentrum geschickt vereint. Nachahmung andernorts dringend erwünscht!

Tagungen & Kongresse in Südtirol: Ein wichtiger touristischer Zukunftsmarkt

Die Südtiroler Wirtschaftszeitung greift unter dem Titel „Tagen in Südtirol“ in ihrer Ausgabe 22/2017 vom 2. Juni ein Thema auf, das den Südtiroler Tourismus in den kommenden Jahren zunehmend prägen wird. Meetings, Incentives, Congresses und Events – oder kurz MICE – sind heute eine kleine, aber hochinteressante Nische für Hotels und Veranstaltungsorte südlich des Brenners. Ein Eindruck, der im übrigen auch auf der diesjährigen IMEX-Kongressmesse in Frankfurt am Main eindrucksvoll bestätigt wurde.

Nun gilt es, die MICE-Kompetenz in Südtirol professionell zu bündeln und „ein zu Südtirol passendes Tagungs- und Kongressprodukt gemeinsam mit interessierten und vor allem geeigneten Partnern“ umzusetzen, so Benjamin Zwack (Hotel Elephant), der neben Thomas Aichner (IDM) und Harald Pechlaner (Eurac) zu Wort kommt.

Den Beitrag der Südtiroler Wirtschaftszeitung finden Sie online (SWZ 22/17 – „Tagen in Südtirol“).

IMEX Frankfurt: Mein Messe-Rückblick

Die Kongressmesse IMEX bringt einmal jährlich die MICE-Branche nach Frankfurt. Und die kam zur 15. Ausgabe besonders zahlreich: Neben einer Reihe interessanter digitaler Meeting-Innovationen gab es ein ansprechendes Seminarprogramm, das in diesem Jahr unter dem Leitthema „Purposeful Meetings“ stand.

Das Workshop- und Kongressprogramm hat definitiv überzeugt, v.a. in seiner Breite und dank des dadurch möglichen direkten Kontakts zu Branchenexperten und Wissenschaftlern.

Besonders eindrucksvoll war in diesem Jahr jedoch die schiere Größe des Teilnehmerfeldes und die hervorragende Präsentation der Destinationen an den einzelnen Ständen. Bei allen Gesprächen war deutlich zu spüren: Es ist viel Bewegung im MICE-Markt, Digitalisierung und Vernetzung werden in Zukunft neue Geschäftsfelder eröffnen und auch kleineren Destinationen und Kongressanbietern hochprofessionelle Werkzeuge für erfolgreiche Tagungen und Events an die Hand geben.

Und dass der Kongresstourismus immer mobiler und internationaler wird, ist eine Tatsache, die ich seit Jahren beobachte. So kommen auch kleinere Destinationen wie Südtirol in den Fokus, die nicht nur durch hochwertige Kongress-Infrastrukturen, sondern auch durch das Rahmenprogramm, die besondere Kulinarik und ein einmaliges Naturerlebnis punkten können – „purposeful meetings“ eben!

Jetzt ist Südtirol an der Reihe, dieses Thema gemeinsam aufzugreifen und schnell zu anderen Destinationen und Kongressmärkten aufzuschließen. Entscheidend wird in Zukunft ein eigenes, unverwechselbares Südtiroler Meeting- und Kongressprodukt sein. Das Interesse daran ist hoch, die Chancen für Südtirol sind noch viel größer. Der Ball liegt jetzt bei uns!

Frankfurter Tag des Online-Journalismus 2017

„Wahr ist, was gefällt? – Journalismus in der Glaubwürdigkeitskrise“, so der Titel des diesjährigen Frankfurter Tag des Online-Journalismus, der am 25. April beim Hessischen Rundfunk stattfand. HR-Intendant Manfred Krupp hakte gleich zu Beginn nach – befinde sich der Journalismus wirklich auf breiter Front in der Glaubwürdigkeitskrise? Persönlich habe ich daran meine begründeten Zweifel.

https://twitter.com/benjaminzwack/status/856775912800399360

Doch der Reihe nach:

Diemut Roether von epd Medien hatte einen glänzenden Vortrag mit nach Frankfurt gebracht. So ruhig sie ihn auch vortrug, ihre Thesen trafen: Ihrer Meinung nach greife eine  „Boulevardisierung der Nachrichten“ um sich: „Gefühle wirken sofort und haben keine Wahrheitspflicht.“ Demgegenüber koste die so notwendige Faktenrecherche Zeit, Geld und (wo-)manpower. Und die immer kompliziertere Weltlage passe eben nicht immer in einen 140-Zeichen-Tweet. Wie wahr!

Sozialpsychologin Catarina Katzer fasste im Anschluss die „Psychologie der digitalen Lüge“ noch einmal zusammen. Die Entfernung aus der Realität, beispielsweise bereits durch das Öffnen einer App oder das Gruppengefühl und -denken in sozialen Netzwerken können Individuen in erheblicher Weise verändern, ja enthemmen.

Die folgende Diskussion zwischen SWR-Chefreporter Thomas Leif und Herausgeber Roland Tichy blieb leider sehr farblos. Es mag am Moderator Dennis Horn – der sonst jedoch sehr pointiert durch den Tag führte – gelegen haben, vielleicht aber auch an der unklaren thematischen Zuspitzung dieses Tagungsblocks. Im Blick auf Thomas Leifs Redebeiträge sollte jedoch festgehalten werden: Die Öffentlich-Rechtlichen Sender in Deutschland haben in den vergangenen Jahren erhebliche Schritte hin zur Digitalisierung ihres Angebots unternommen. Podcasts, Mediatheken und Apps (oder die Kombination daraus, wie die neue Bayern2App beweist!) funktionieren hervorragend und bringen auch vermeintliche Nischenthemen leicht abrufbar jederzeit zum Hörer oder Zuseher.

Ein großes Highlight bildete nach der Mittagspause ein Blick hinter die Kulissen eines kleinen Medienhauses: Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier berichtete aus erster Hand über seine Social-Media-Arbeit im Zusammenhang mit der Berichterstattung über ein größeres Flüchtlingsheim auf der Schwäbischen Alb.

https://twitter.com/benjaminzwack/status/856842813887172608

Ihm zur Seite saß die SWR-Journalistin Sandra Müller, die ein flammendes Plädoyer für den regionalen Journalismus hielt.

Der Faktenfinder von tagesschau.de und das Projekt correctiv.org – und damit zwei sehr konkrete und hochinnovative Ansätze – waren schließlich ebenso Thema wie eine Keynote von Craig Silverman („Strategies for Reporting on the Misinformation Ecosystem“).

Der Frankfurter Tag des Online-Journalismus war erneut ein wertvolles Podium zur Information und zum Meinungsaustausch. Beeindruckend waren nicht nur die vielen hochengagierten Journalistinnen und Journalisten, sondern vor allem auch die zahllosen guten Ideen und Ansätze, um Qualitätsjournalismus auch in Zukunft und unter digitalen Vorzeichen betreiben und attraktiv machen zu können. Ein großes Lob an alle Beteiligten für die hervorragende Organisation.

Angelesen: FAZ Quarterly

Erst vor knapp 10 Jahren begann die Frankfurter Allgemeine Zeitung, täglich ein Farbfoto auf ihre Titelseite zu drucken. Zuvor gab es nur zu besonderen Anlässen ein schwarz-weiß Foto auf Seite 1, beispielsweise im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den 11. September 2001 oder bei der Papstwahl im Jahr 2005.

Die massive Digitalisierung des Journalismus hat die Lesegewohnheiten seitdem erheblich verändert. Die stetig schrumpfende Aufmerksamkeitsspanne von Lesern dürfte dabei noch das geringste Problem sein. Viel dramatischer wirken sich sinkende Werbeeinnahmen, Abo- und Auflagenzahlen auf Verlage und Redaktionen aus. So verlor die FAZ seit dem Jahr 2000 über ein Drittel ihrer täglichen Auflage, E-Paper- und Digitalabos konnte dagegen offensichtlich wenig ausrichten.

So ist es der FAZ hoch anzurechnen, dass Sie sich kompetente Verstärkung bei der Werbe- und Designagentur Winkreative in London holte, um sozusagen eine eigene „Vierteljahresschrift“ aufzulegen und zu gestalten. Hinter Winkreative steht der Kanadier Tyler Brûlé, der seit 2007 das von ihm kreierte MONOCLE Magazine herausgibt – und damit (und dank seiner starken Diversifikation der Marke) beachtliche Erfolge mit einem Printmedium feiert, das er selbst übrigens als „Anti-iPad-Device“ verstanden wissen will.

Aber zurück zu FAZ Quaterly: Ja, das Heft ist optisch und haptisch gelungen! Die 650 Gramm liegen satt in der Hand, verschiedene Sorten Papier korrespondieren wunderbar mit den Fotos und Texten – das kann keine App je leisten.

 

Inhaltlich präsentiert sich das Heft, das sich in Anlehnung an die „coffee table books“ tatsächlich gut auf dem Kaffeetisch macht, aufgeräumt: Teil 1 ist den „FAQ“ gewidmet, „häufig gestellte Frage im Winter 2016/17“. Block 2 behandelt „Das Thema – Dem Kampf um das Morgen“, Teil 3 beinhaltet die „Materialien – Stoff für die Gegenwart“. Und Teil 4 stellt schließlich einen Ausblick dar: „Was kommt – Worauf wir uns freuen“.

Die Grundstimmung des Hefts ist äußerst positiv, beinahe schon über- oder zumindest weichgezeichnet: Von Krisen zeigt man sich „beeindruckt“, mit dem Stand der Dinge dürfe man sich keinesfalls „zufriedengeben“, denn: „Es gibt zu viele Glücks- und Freiheitsversprechen, die noch nicht eingelöst sind“, so Rainer Schmidt und Claudius Seidl in ihrem Vorwort wörtlich.

An dieser Stelle stutze ich: Liegt es wirklich nur an der englischen Sprache, die das MONOCLE Magazine – mit dem sich Quaterly in meinem Augen und angesichts der Anschubhilfe von Winkreative messen lassen muss – viel weltgewandter präsentiert? Oder hat das Pendant aus der 1 Dorset Street in London vielleicht doch einen erheblich internationaleren Anspruch? Mit Politiker-Interviews aus aller Welt und eigenen Korrespondenten, Berichten aus EU, NATO und anderen großen Organisationen, Design und Architektur – statt Themen wie Amok (Seite 94ff., der Autor Joseph Vogl hat seine Position bereits im Jahr 2012 in einem ZEIT-Interview veröffentlicht) und – zugegeben: etwas zugespitzt – Bettwanzen (Seite 134ff.). Und wie „Die Männer von gestern und der geplatzte Traum“ (Seite 102ff. über den gefloppten VW L1, der angesichts der für VW völlig veränderten Nachrichtenlage sicher kein Thema mehr sein dürfte…) mit dem redaktionellen Anspruch zusammengeht, positiv in die Zukunft zu blicken, erschließt sich mir nicht.

Jetzt heisst es abwarten – auf die zweite Ausgabe und ihre Themen. Lesenswert ist FAZ Quarterly allemal, richtig rund ist das Magazin aber noch nicht. Aber aus dem Vorwort der 1. Ausgabe wissen wir: So schnell will sich die Redaktion nicht mit dem status quo zufriedengeben. Gut so!

Doblin Deloitte: The Hotel of the Future

Kürzlich präsentierte Doblin Deloitte Consulting „The Hotel of the Future“, eine gut 50-seitige Studie, die einen Ausblick auf die kommenden 5 bis 10 Jahre geben will. Im Fokus stehen dabei die mittelgroßen Hotels, die schon heute Schwierigkeiten haben, sich mit ihren Angeboten und Produkten zu differenzieren oder ganz grundsätzlich in einem umkämpften Marktumfeld zu behaupten.

Der Studie liegen (knappe) acht Wochen Recherchezeit zugrunde, in der fünf betriebswirtschaftliche und kommunikative Perspektiven („opportunity areas“) identifiziert wurden. Am Ende des Papiers weisen die Verfasser darauf hin, dass man hierzu ausschließlich in vier US-amerikanischen Großstädten (Columbus, Indianapolis, Chicago und New York) und zwölf verschiedenen (Ketten-) Hotels gearbeitet hat – was die Aussagekraft der Untersuchung vermutlich einschränkt, sie zumindest aber nicht unmittelbar auf europäische Marktverhältnisse übertragbar macht. Dazu im Folgenden mehr.

Die Aufmachung der Studie ist eingängig, wenn auch bisweilen die Lesbarkeit dem (PDF-)Layout geopfert wurde. Ihre Betrachtungen setzen mit einem recht vereinfachenden Dreischritt ein: Früher drehte sich bei Hotels alles um Räume, also die Immobilie, das Gebäude und seine Lage („spaces“). Heute stehe die Marke im Zentrum aller Aufmerksamkeit („brands“). In Zukunft müsse es um „people“, um die Leute, besser Gäste des Hauses gehen. Begründung: „The market is over-saturated with brands … hospitality will require a human touch.“ Persönliche Gegenfrage: Konnte es sich ein Hotel – egal welcher Größe, Ausrichtung und Betriebsstruktur – bislang wirklich leisten, sich nicht um seine Gäste (Nutzer!) und Mitarbeiter (Botschafter!) zu kümmern?

Auf den folgenden fast vierzig Seiten entfaltet die Deloitte-Studie die Details, was es ihrer Meinung nach heisst, ein Hotel mit „human touch“ zu betreiben, bzw. welche Voraussetzungen dazu nötig sind:

„The hotel of the future will be an integrator“, es ist Kurator, bringt Gäste und Nachbarn zusammen, gestaltet den öffentlichen Raum und integriert Dienstleistungen sowie Geschäfte.

Einige Ideen daraus haben mir sehr gefallen:

  • Das Hotel als Kurator wagt sich an experimentelle Produkte und Dienstleistungen und öffnet sich in dem Sinne, dass öffentliche und private Räume eines Hotels neue Möglichkeiten zum Leben und Arbeiten geben.
  • Das Hotel wird zum „Matchmaker“, bringt also Leute gleicher Interessen oder Berufe zusammen. Das dürfte auch heute schon vielfach zufällig geschehen, aber warum dem Glück und Zufall nicht etwas auf die Sprünge helfen mit einer App oder einem digitalen Feature auf der Hotel-Homepage?
  • Das Hotel nimmt seine Rolle als guter Nachbar ernst, es engagiert sich gesellschaftlich und ist offen für kulturelle Veranstaltungen vor Ort.
  • Das Hotel wird virtuell und steuert, ja „choreografiert“ Reiseverläufe und -bedürfnisse.

Damit ist „The Hotel of the Future“ eine anregende Lektüre, auch wenn es sich dabei sicherlich nicht um eine vollständige Zukunftsvision handelt. Zum Weiterdenken lädt sie dennoch ein. Imagine…!